Winterlandschaft mit Nescafé #2
Ein Solo im Kontext der Reihe I see U

Eine Frau im Inneren eines transparenten Würfels, im Spannungsraum zwischen Preisgabe und Rückzug, Objekt und Mensch. Ein Haufen alter Kleider, lose hingeworfen, beginnt zu tanzen. Ein Frau gräbt sich aus dem Berg der Erinnerungen und zieht sich an und dann zurück in die Geborgenheit des Nestes.

Ausgehend von ganz privaten Erinnerungsmomenten fragt die Tanzperformance nach dem Ursprung und dem letztendlichen Wesen von Identität, schält den nackten Kern heraus, fragmentiert den psychischen und physischen Körper bis ins rein Abstrakte, Fleischliche.In Ilona Pászthys Solo begrenzt die Bühnenrequisite den Tanz räumlich so sehr, dass sie zum gleichgewichtigen Mittänzer wird. Das Bühnenobjekt von MiegL – ein mit durchsichtiger dunkler Folie umwickelter Kubus - ermöglicht Sichtbarkeit und Verschleierung, ist Vitrine und Kerker zugleich, gibt den Blick frei auf das Objekt darin, das wiederum selbst auch Beobachter ist – ihrer selbst, ihrer Erinnerungen, ihres Körpers, ihrer Beobachter.Gegenstand der künstlerischen Fragestellung ist die Intention Privatsphäre auszustellen und zu beobachten, ist die Frage nach Macht und Machtlosigkeit. Publikum und Tänzerin sind zugleich menschlich und dinghaft. So gerät der Akt des Beobachtens zur Auseinandersetzung mit Themen wie Freiheit, Enge, Erträglichkeit, Geborgenheit, Leben.

Die Neugier hat den Menschen zu allen Zeiten dazu verleitet, in das Leben anderer hineinschauen zu wollen. Heute ist durch Medien und virtuelle Systeme der Zugang so leicht wie nie zuvor. Doch was interessiert uns eigentlich an diesem anderen Leben, an dem Blick hinter die Kulissen eines anderen Seins.

„Geheimnisvoll wirkt der große schwarze Würfel, dessen Außenhaut glänzt wie lackiert. Das Publikum spiegelt sich darin, und es wird noch manches Mal auf sich zurückgeworfen. (...) Abgedrängt in die Rolle des Voyeurs, der Intimität vorgesetzt bekommt, ob er will oder nicht, verflüchtigt sich jeder Gedanke an die Macht des Beobachters. Die Macht besitzt hier die junge Frau, die sich ausstellt, wie es ihr passt. (...) Diese kleine, pointierte Inszenierung (...) erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. Eine konsequente Arbeit (...), die intensiv nachwirkt.“

Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 28. Juni 2011

 

 

 

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit Barnes Crossing und der Orkesztika Foundation Budapest

 
 

Choreografie und Tanz

Ilona Pászthy

Musik

Marcus Greiner

Dramaturgie

Britta Lieberknecht

Lichtdesign/Technik

Wolfgang Pütz

Bühnenbild

MiegL

Kommunikation

nützlich + schön